Eine Literaturagentur zu finden, beginnt nicht mit dem Versand möglichst vieler Anfragen. Sinnvoller ist eine begründete Auswahl: Passt das eigene Buch zum Genreprofil, zum Tätigkeitsbereich und zu den veröffentlichten Einreichungsbedingungen der Agentur? Für Romanautorinnen und Romanautoren ist diese Prüfung ein praktischer erster Schritt, bevor Anschreiben, Exposé und Leseprobe verschickt werden.
Literaturagenturen unterscheiden sich unter anderem nach Genre und Tätigkeitsbereich. Genannt werden beispielsweise Belletristik, Kinder- und Jugendbuch, Sachbuch sowie die Vermittlung internationaler Rechte. Vor einer Anfrage sollten Sie daher prüfen, welche Genres und Bücher eine Agentur vertritt und ob Ihr Projekt in dieses Profil passt. Das Agenturprofil ist dabei wichtiger als eine allgemeine Bezeichnung wie «Literaturagentur».
Das Agenturprofil vor der Anfrage prüfen
Ordnen Sie Ihr Manuskript zunächst möglichst genau ein. Handelt es sich um einen Kriminalroman, einen historischen Roman, einen Liebesroman, Fantasy oder literarische Gegenwartsliteratur? Diese Einordnung ist keine Aussage darüber, welche Genres grundsätzlich erfolgreicher sind. Sie hilft Ihnen vielmehr, die Beschreibung Ihres Projekts mit den Angaben der Agentur zu vergleichen und die passende Kontaktperson zu suchen.
Auch der Tätigkeitsbereich kann für Ihre Auswahl relevant sein. Manche Agenturen nennen neben der Vertretung von Verlagsrechten weitere Schwerpunkte, etwa den internationalen Rechtehandel. Solche Angaben beschreiben das jeweilige Angebot, sind aber kein allgemeingültiges Qualitätsmerkmal. Lesen Sie deshalb die Informationen zur Agentur und zur Zusammenarbeit vollständig, bevor Sie Ihre Unterlagen vorbereiten.
Ein konkretes Beispiel zeigt, warum die Profilprüfung wichtig ist: Die Literaturagentur Ernst Piper weist darauf hin, dass sie sich auf Sachbücher konzentriert und in der Regel keine Belletristik vertritt. Daraus folgt keine allgemeine Regel für alle Agenturen. Als Prüffrage für Ihr eigenes Projekt ist es jedoch sinnvoll zu klären: Sucht diese Agentur nach meinem Genre und nach einer vergleichbaren Buchart?
Aktuelle Angaben sollten Sie direkt auf der Website der jeweiligen Agentur kontrollieren. Dazu gehören auch Hinweise darauf, ob Manuskripte angenommen werden, welche Kontaktadresse gilt und ob eine bestimmte Ansprechperson genannt wird. Ältere Listen können bei der Orientierung helfen, ersetzen aber nicht die aktuelle Seite der Agentur.
Welche Unterlagen Sie vorbereiten sollten
Eine Bewerbung berücksichtigt in der Regel ein Anschreiben, ein Exposé und eine Leseprobe. Die genauen Anforderungen unterscheiden sich je nach Agentur. Die Literaturagentur Gaeb & Eggers nennt beispielsweise eine Leseprobe von 30 bis 50 Seiten, ein Exposé von 1 bis 3 Seiten und Angaben zur Person. Diese Zahlen sind kein allgemeiner Standard, sondern ein Beispiel für unterschiedliche Vorgaben. Massgeblich ist immer, was die ausgewählte Agentur aktuell verlangt.
Im Anschreiben sollten die wichtigsten Eckdaten schnell erkennbar sein. Dazu gehören beispielsweise Genre, Arbeitstitel, Umfang des Manuskripts und eine kurze Vorstellung der Autorin oder des Autors. Ergänzen Sie einen knappen Hinweis darauf, weshalb Sie gerade diese Agentur anschreiben. Das Anschreiben muss den gesamten Roman nicht nacherzählen. Es soll die Anfrage einordnen und auf die beigefügten Unterlagen verweisen.
Das Exposé fasst die Handlung, zentrale Figuren und den Verlauf des Romans verständlich zusammen. Als praktische Empfehlung sollten Sie auch das Ende nennen, damit die Zusammenfassung vollständig bleibt. Die Leseprobe sollte den Ton und die Erzählweise Ihres Projekts repräsentieren. Wenn eine Agentur einen bestimmten Umfang oder einen bestimmten Anfang verlangt, halten Sie sich an diese Vorgabe, statt ungefragt deutlich mehr Material zu senden.
Vor dem Versand können Sie die Unterlagen noch einmal auf Verständlichkeit und Vollständigkeit prüfen. Hilfreich ist eine einfache Kontrollliste: Sind Genre und Umfang eindeutig angegeben? Entsprechen Exposé und Leseprobe den verlangten Formaten? Ist die Kontaktadresse korrekt? Wurde das Anschreiben für diese Agentur angepasst? Für die Vorbereitung können Sie auch das Exposé gezielt aufbauen.
Die Anfrage individuell formulieren
Eine individuelle Bewerbung nimmt Bezug auf das Profil der jeweiligen Agentur. Ein unverändertes Anschreiben an viele Empfänger lässt diese Zuordnung nicht erkennen. Beschreiben Sie stattdessen kurz, warum Ihr Roman zu dem veröffentlichten Genre- oder Tätigkeitsbereich passt. Bleiben Sie bei überprüfbaren Angaben zu Ihrem Projekt und vermeiden Sie grosse Versprechen, die sich aus den Unterlagen nicht ableiten lassen.
Planen Sie die Anfragen überschaubar. Beginnen Sie mit Agenturen, deren Profil zu Ihrem Manuskript passt, und prüfen Sie vor jedem Versand noch einmal die aktuellen Bedingungen. Nach einer Rückmeldung können Sie kontrollieren, ob Ihre Unterlagen vollständig und verständlich waren. Eine Absage erlaubt keinen sicheren Rückschluss auf die literarische Qualität Ihres Manuskripts. Sie kann verschiedene Gründe haben, die sich aus der einzelnen Antwort nicht zuverlässig bestimmen lassen.
Auch eine positive Rückmeldung sollte sorgfältig geprüft werden. Lesen Sie Vereinbarungen vollständig und klären Sie offene Fragen, bevor Sie sich binden. Die Recherche nach einer Literaturagentur endet also nicht mit dem Auffinden eines Namens. Sie umfasst auch die Prüfung der Kontaktaufnahme und der späteren Bedingungen.
KI beim Schreiben und Lektorieren einordnen
Für Autorinnen und Autoren, die KI beim Schreiben oder Lektorieren einsetzen, kommt eine zusätzliche Frage hinzu: Wie soll die technische Unterstützung im Bewerbungsprozess berücksichtigt werden? Eine allgemeingültige Aussage darüber, wie deutschsprachige Literaturagenturen mit KI-unterstützten Manuskripten umgehen, lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ableiten. Treffen Sie deshalb keine pauschalen Annahmen. Prüfen Sie, ob die jeweilige Agentur eigene Hinweise veröffentlicht, und beantworten Sie Fragen zur Entstehung des Manuskripts ehrlich, falls sie gestellt werden.
Vor der Einreichung kann KI als Arbeits- und Prüfwerkzeug dienen. Sie kann beispielsweise wiederkehrende Formulierungen, unklare Übergänge oder auffällige Längen markieren. Auch bei der Strukturierung eines Exposés kann sie eine erste Arbeitsgrundlage liefern. Die Auswahl der Änderungen und die finale sprachliche Kontrolle bleiben jedoch bei Ihnen. Übernehmen Sie Vorschläge nicht automatisch, sondern prüfen Sie jede Änderung im Zusammenhang mit Ihrer Erzählabsicht.
Für die Überarbeitung eines Romans kann es ausserdem sinnvoll sein, die Spannungskurve des Romans zu prüfen. Das ist eine Unterstützung bei der eigenen Vorbereitung, keine Aussage darüber, welche Unterlagen eine Agentur akzeptiert. Entscheidend bleibt, dass Exposé und Leseprobe den tatsächlichen Stand Ihres Projekts klar und eigenständig wiedergeben.
Eine praktische Entscheidungshilfe
Wenn Sie eine Literaturagentur finden möchten, können Sie Ihre Auswahl in fünf Schritten strukturieren. Erstens ordnen Sie Roman, Genre und Umfang ein. Zweitens lesen Sie das Profil mehrerer infrage kommender Agenturen. Drittens vergleichen Sie Tätigkeitsbereich, Kontaktweg und Einreichungsbedingungen. Viertens bereiten Sie Anschreiben, Exposé und Leseprobe entsprechend der jeweiligen Vorgaben vor. Fünftens prüfen Sie vor dem Versand noch einmal alle aktuellen Angaben.
So entsteht keine beliebige Liste, sondern eine nachvollziehbare Auswahl. Die Agentur muss nicht zu jeder möglichen Beschreibung Ihres Romans passen. Wichtig ist, dass Sie die veröffentlichten Informationen sorgfältig mit Ihrem Projekt abgleichen und nur die Unterlagen einreichen, die verlangt werden. KI kann einzelne Arbeitsschritte bei Vorbereitung und Prüfung unterstützen. Die Entscheidung für eine Agentur und die Verantwortung für die Bewerbung bleiben bei Ihnen.