Exposé schreiben: So überzeugst du Verlage und Agenten

Von Marcel Tobien • Veröffentlicht am 18. Februar 2026 • 7 Minuten Lesezeit • Kategorie: Publishing & Verlag

Ein Lektor liest täglich 50 Exposés. Er entscheidet in wenigen Minuten, ob er weiterliest. Dein Exposé hat eine einzige Aufgabe: Diese Entscheidung in deinem Sinne zu beeinflussen. Nicht durch Tricks, nicht durch Übertreibungen, sondern durch Klarheit, Professionalität und eine Geschichte, die auf zwei Seiten überzeugend klingt.

In diesem Guide lernst du, wie ein Buchexposé aufgebaut ist, was Lektoren wirklich sehen wollen, und was die häufigsten Fehler sind, die selbst gute Autoren machen.

Was ein Exposé ist (und was nicht):
Ein Exposé ist kein Inhaltsangabe und kein Werbetext. Es ist eine sachliche, professionelle Darstellung deines Manuskripts, geschrieben für einen Profi, der täglich Bücher bewertet. Es zeigt: Ich kenne meine Geschichte. Ich kann sie erklären. Ich schreibe professionell.

Was gehört in ein Buchexposé?

Ein professionelles Exposé für einen deutschsprachigen Verlag umfasst typischerweise 2 bis 4 DIN-A4-Seiten und enthält folgende Elemente:

1. Angaben zum Buch

  • Arbeitstitel
  • Genre (präzise: nicht „Fiktion", sondern „Psychothriller für Erwachsene")
  • Zielgruppe (Alter, Geschlecht, Lesevorlieben)
  • Umfang (Wortanzahl oder Seitenanzahl)
  • Vergleichstitel (2 bis 3 bekannte Bücher, die ähnlich sind)

2. Kurzbeschreibung / Klappentext-Version (½ Seite)

Die emotionale Kaufentscheidung. Schreib den Klappentext, der auf dem Buchcover stehen würde, präzise, spannend, mit dem zentralen Konflikt im Zentrum.

3. Vollständige Inhaltsangabe (1 bis 2 Seiten)

Hier, und das unterscheidet das Exposé vom Klappentext, verrätst du das Ende. Vollständig. Kein Cliffhanger, keine offenen Fragen. Der Lektor muss wissen, ob die Geschichte funktioniert, nicht ob sie spannend klingt.

4. Charakterbeschreibungen (½ Seite)

Kurze Profile der wichtigsten Figuren: Name, Alter, Rolle, wesentlicher Charakter, Entwicklung im Buch.

5. Angaben zur Autorin / zum Autor

Dein literarischer Lebenslauf. Frühere Veröffentlichungen, Auszeichnungen, Lesungen. Falls keine: Beruflicher Hintergrund, falls relevant für das Buchthema.

Die Inhaltsangabe richtig schreiben

Das ist der schwierigste Teil. Eine Inhaltsangabe, die funktioniert, hat drei Qualitäten:

1. Erzählt im Präsens. „Thomas kommt in die Stadt und entdeckt...", nicht Vergangenheitsform. Präsens klingt unmittelbarer und lebendiger.

2. Nennt nur Haupthandlungsstränge. Nicht jede Nebenhandlung, nicht jeder Charakter. Drei bis vier Kernstränge, die zusammenlaufen.

3. Verrät das Ende und alle wichtigen Wendungen. „Anders als erwartet" und „der Leser wird überrascht" sind wertlos. Was passiert konkret? Wer tötet wen? Wer überlebt? Wer verändert sich wie?

Vorlage: So könnte ein Exposé-Einstieg aussehen

Arbeitstitel: [Titel des Romans]
Genre: [z.B. Psychologischer Thriller / Historischer Roman / Urban Fantasy]
Zielgruppe: [z.B. Erwachsene ab 25, Fans von Stieg Larsson und Kepler]
Umfang: [ca. X Wörter / X Seiten]
Vergleichstitel: [Buch A] trifft auf [Buch B]

Kurzbeschreibung:

[Hier steht dein überarbeiteter Klappentext, 80 bis 120 Wörter, die die zentrale Frage oder den zentralen Konflikt in die Mitte stellen. Wer ist die Protagonistin? Was ist ihr Problem? Was steht auf dem Spiel?]

Die Geschichte:

[Vollständige Inhaltsangabe im Präsens. Akt 1: Setup und auslösendes Ereignis. Akt 2: Eskalation, Wendepunkte, Midpoint. Akt 3: Klimax und Auflösung, mit dem Ende.]

Das Anschreiben: was vor dem Exposé kommt

Verlage und Agenturen sehen dein Exposé selten allein. Fast immer geht ein Anschreiben voraus, eine halbe Seite, die entscheidet, ob überhaupt weitergelesen wird. Ein professionelles Anschreiben braucht drei Dinge, die viele Erstautoren auslassen: eine persönliche Anrede statt „Sehr geehrte Damen und Herren", einen Grund, warum ausgerechnet dieser Verlag oder diese Agentur angeschrieben wird, und einen einzigen prägnanten Satz zum Buch, nicht die ganze Handlung, die kommt im Exposé.

Konkret heisst das: Recherchiere den Namen der zuständigen Lektorin oder des zuständigen Agenten, bevor du schreibst. Nenne ein Buch aus dem Programm des Verlags, dem dein Roman thematisch oder stilistisch nahesteht, das zeigt, dass du das Programm kennst und nicht wahllos verschickst. Und beende das Anschreiben mit den nüchternen Fakten: Titel, Genre, Wortzahl, ob es sich um eine Erst- oder Zweitanfrage handelt, und was beigefügt ist, Exposé, Leseprobe, Vita.

Was ins Anschreiben nicht gehört: Homestory, warum du unbedingt Autorin oder Autor werden willst, oder eine Liste aller Menschen, die das Manuskript bereits gelobt haben. Das gehört, wenn überhaupt, in die Vita, nicht ins Anschreiben.

Die Autorenvita: mehr als eine Liste von Veröffentlichungen

Die Angaben zur Autorin oder zum Autor oben im Exposé sind knapp gehalten, absichtlich. Aber „knapp" heisst nicht "beliebig". Eine gute Vita beantwortet in fünf bis zehn Sätzen drei Fragen, die ein Lektor sich stellt: Kann diese Person schreiben, kann sie das Buch zu Ende bringen, und gibt es einen Grund, warum ausgerechnet sie diese Geschichte erzählt?

Ohne bisherige Veröffentlichungen ist das kein Nachteil, den man verstecken muss. Relevanter beruflicher Hintergrund zählt: Wer einen Justizthriller schreibt und selbst Jurist ist, wer einen historischen Roman über eine Epoche schreibt, die er oder sie seit Jahren recherchiert, hat etwas Konkretes zu bieten, das mehr Gewicht hat als eine unveröffentlichte Kurzgeschichte in einer Anthologie. Schreibwettbewerbe, abgeschlossene Schreibkurse oder eine aktive Position in einer Schreibgruppe sind ebenfalls legitime, wenn auch kleinere, Signale.

Was in der Vita nicht überzeugt: reine Selbsteinschätzungen wie „schreibt seit Kindheit an" oder „hat schon immer Geschichten erzählt". Diese Sätze sagen nichts, was ein Lektor prüfen könnte. Konkrete, überprüfbare Fakten wiegen mehr als jede Beteuerung von Leidenschaft.

Die Leseprobe: wie viele Seiten, und welche

Die meisten Verlage und Agenturen verlangen zusätzlich zum Exposé eine Leseprobe, üblicherweise 15 bis 30 Normseiten aus dem Anfang des Manuskripts (Die Schreibtrainerin, „Exposé schreiben für einen Roman", abgerufen 2026-08-09). Eine Normseite sind rund 1.800 Zeichen inklusive Leerzeichen, 30 Zeilen zu 60 Zeichen, das ist der in der deutschsprachigen Verlagsbranche übliche Massstab für Manuskriptumfang.

Wichtig: die Leseprobe muss vom Anfang des Buches sein, nicht die stärkste Szene aus der Mitte. Lektoren wollen sehen, wie du einen Roman eröffnest, wie schnell die Geschichte Fahrt aufnimmt, wie die Stimme im ersten Kapitel trägt. Eine grossartige Szene aus Kapitel 12 beantwortet diese Frage nicht.

Die Leseprobe muss zudem fehlerfrei sein, mehr noch als der Rest des Manuskripts. Ein Tippfehler auf der ersten Seite einer Einsendung wirkt schwerer als derselbe Fehler auf Seite 200, weil er das Einzige ist, was der Lektor in diesem Moment von deiner Sorgfalt sieht.

Vor dem Absenden: passt der Verlag oder die Agentur überhaupt?

Der fünfte der häufigsten Fehler oben, ein Exposé ohne Rücksicht auf das Verlagsprogramm zu verschicken, verdient einen eigenen Abschnitt, weil er der am einfachsten vermeidbare ist. Vor jeder Einreichung lohnen sich drei kurze Recherchen: Welche Genres verlegt dieses Haus tatsächlich, nicht welche es vor zehn Jahren einmal verlegt hat. Welche Bücher erscheinen dort aktuell, im laufenden oder kommenden Programm. Und nimmt der Verlag oder die Agentur überhaupt unverlangte Einsendungen an, viele grosse Publikumsverlage tun das inzwischen nicht mehr direkt, sondern nur über Agenturen.

Diese Recherche dauert selten mehr als zwanzig Minuten pro Adresse, Verlagswebsite, aktuelles Programm, Einreichungsrichtlinien. Sie verhindert die häufigste stille Ablehnung: nicht weil das Exposé schlecht war, sondern weil es nie zur richtigen Person kam. Wer unsicher ist, ob ein Genre zum Programm passt, findet die Antwort meist schneller im aktuellen Katalog des Verlags als in einer allgemeinen Beschreibung auf der Über-uns-Seite, Kataloge zeigen, was tatsächlich verlegt wird, nicht was einmal angestrebt war.

Elektronische Einreichung: was sich bei der E-Mail-Bewerbung ändert

Die meisten Einreichungen laufen heute per E-Mail oder über ein Onlineformular, nicht mehr per Post. Das ändert wenig am Inhalt, aber einiges an der Form. Die Betreffzeile sollte in wenigen Wörtern sagen, was ankommt: Titel, Genre, „Manuskripteinreichung", zum Beispiel „Manuskripteinreichung: NACHTFROST, Psychothriller". Eine leere oder vage Betreffzeile wie „Mein Buch" wirkt unprofessionell, bevor die E-Mail überhaupt geöffnet wird.

Anschreiben gehört in den E-Mail-Text selbst, nicht als separater Anhang, das reduziert die Zahl der Klicks, die ein Lektor braucht, um zu entscheiden, ob er weiterliest. Exposé, Leseprobe und Vita folgen als Anhänge, in einem gängigen, editierbaren Format, jeweils klar benannt. Mehrere kleine Dateien sind einer einzigen riesigen Datei vorzuziehen, manche Mailserver von Verlagen begrenzen die Anhangsgrösse, und eine E-Mail, die wegen Grösse abgewiesen wird, kommt nie an.

Ein letzter praktischer Punkt: eine automatische Lesebestätigung anzufordern wirkt bei den meisten Häusern eher misstrauisch als professionell. Wenn eine Bestätigung des Eingangs wichtig ist, reicht eine kurze, höfliche Formulierung im Anschreiben selbst, etwa die Bitte um eine kurze Eingangsbestätigung, ganz ohne technische Lesebestätigungsfunktion der E-Mail. Bei Onlineformularen entfällt die E-Mail-Etikette weitgehend, dafür lohnt es sich, jedes Pflichtfeld ernst zu nehmen, ein Formular mit einem übersprungenen Pflichtfeld kann in manchen Systemen gar nicht erst abgeschickt werden, in anderen wird die Einreichung ohne Rückmeldung schlicht nicht bearbeitet, ohne dass die einreichende Person davon je erfährt.

Exposé oder Synopsis: ist das dasselbe?

Im deutschsprachigen Verlagswesen meint „Exposé" fast immer das vollständige Paket: Kurzbeschreibung, komplette Inhaltsangabe mit Ende, Charakterprofile, Angaben zum Buch. Im englischsprachigen Raum trennt man üblicher zwischen dem „query letter" (dem Anschreiben), der „synopsis" (der reinen Handlungszusammenfassung, meist ein bis zwei Seiten) und dem „book proposal" bei Sachbüchern. Wer in beiden Märkten unterwegs ist, etwa bei einer Einreichung sowohl bei deutschen als auch bei englischsprachigen Agenturen, verwechselt die Begriffe leicht.

Die praktische Folge: ein deutsches Exposé lässt sich nicht einfach eins zu eins als englische Synopsis wiederverwenden, und umgekehrt. Eine Synopsis für den englischsprachigen Markt ist meist knapper und stärker auf die Kernhandlung fokussiert, ein deutsches Exposé enthält üblicherweise zusätzlich die Angaben zum Buch und, je nach Verlag, ein kurzes Charakterprofil. Wer beide Märkte bedient, sollte beide Fassungen getrennt vorbereiten, nicht eine übersetzen und hoffen, dass die Konventionen sich decken. Im Zweifel hilft ein Blick in die konkreten Einreichungsrichtlinien der jeweiligen Adresse mehr als jede allgemeine Regel zum Unterschied zwischen den Begriffen.

Wie lang muss ein Exposé wirklich sein?

Die Zwei-bis-vier-Seiten-Regel oben ist ein guter Richtwert, aber kein festes Gesetz, jeder Verlag und jede Agentur hat eigene Vorgaben, die in den Einreichungsrichtlinien stehen und Vorrang vor jeder allgemeinen Regel haben. Wo keine spezifische Vorgabe genannt ist, gilt als grobe Orientierung:

Zielgruppe der EinreichungÜbliche LängeSchwerpunkt
Grosser Publikumsverlag2 bis 3 SeitenVerkaufsargument, Vergleichstitel, knappe Handlung
Literaturagentur2 bis 4 SeitenVollständige Handlung inklusive Ende, Zielgruppe
Kleinverlag mit persönlichem Kontakt1 bis 2 SeitenOft genügt eine knappere, direktere Fassung
Wettbewerb oder StipendiumNach Ausschreibung, meist 1 SeiteStrikt an die genannte Vorgabe halten, keine Kreativität bei der Länge

Der eine Fehler, der in jeder Kategorie gilt: eher zu lang als zu präzise. Ein Exposé, das seine Kernaussage nicht in der vorgegebenen Länge unterbringt, signalisiert dasselbe Problem wie ein Manuskript, das seine Geschichte nicht straffen kann. Steht keine Vorgabe in den Richtlinien, ist die Faustregel: lieber zwei starke Seiten als vier durchschnittliche. Länge ersetzt keine Klarheit, und ein Lektor, der nach zwei Seiten weiss, worum es geht, liest die dritte und vierte Seite selten noch mit derselben Aufmerksamkeit.

Die häufigsten Exposé-Fehler

Fehler 1: Das Ende nicht verraten

„Wie alles ausgeht, erfahren Sie beim Lesen des Manuskripts.", Das ist ein sofortiges Ablehnungssignal. Der Lektor muss wissen, ob die Geschichte funktioniert. Wenn du das Ende nicht verrätst, weiss er es nicht. Vorlage weg, nächste.

Fehler 2: Zu emotional geschrieben

„Dieser Roman wird Leser zu Tränen rühren" oder „Eine Geschichte wie keine andere", das ist Marketingtext, kein professionelles Exposé. Schreib sachlich und lass die Geschichte für sich sprechen.

Fehler 3: Vergleiche mit Weltbestsellern

„Besser als Harry Potter", nein. Vergleichstitel dienen zur Genre- und Zielgruppenpräzisierung, nicht zur Qualitätswerbung. „Für Leser von Sarah Waters und Donna Tartt" ist professionell. „Das nächste Game of Thrones" ist es nicht.

Fehler 4: Zu lang

Vier Seiten sind Maximum. Zwei bis drei sind ideal. Ein Exposé, das das Wichtigste nicht in drei Seiten ausdrücken kann, signalisiert: Der Autor kann nicht komprimieren. Das ist eine Kernkompetenz des Schreibens.

Fehler 5: Nicht auf den Verlag zugeschnitten

Verlage haben spezifische Programme. Ein Exposé für einen Thriller an einen Verlag zu schicken, der nur Sachbücher macht, zeigt: Der Autor hat nicht recherchiert. Das signalisiert Unprofessionalität.

Zwei weitere Fehler, die seltener genannt werden

Fehler 6: Gattungsfremde Sprache

Ein Exposé für einen literarischen Roman, das wie eine Werbeanzeige klingt, wirkt unpassend. Ein Exposé für einen Thriller, das betont zurückhaltend und literarisch formuliert ist, verkauft die Spannung nicht. Der Ton des Exposés sollte den Ton des Buches spiegeln, nicht ihm widersprechen.

Fehler 7: Ein Exposé für ein unfertiges Manuskript

Ein überzeugendes Exposé weckt Erwartungen, die das Manuskript einlösen muss, wenn es angefordert wird. Ein Exposé für die ersten drei Kapitel eines im Kopf geplanten, aber nicht geschriebenen Romans zu verschicken, führt fast immer zu Enttäuschung auf beiden Seiten, wenn tatsächlich das ganze Manuskript verlangt wird und nicht fertig ist.

Formatierung: was Lektoren technisch erwarten

Neben Inhalt und Länge entscheidet auch die technische Form mit, ob ein Exposé professionell wirkt. Die Konventionen sind über die Verlagsbranche hinweg erstaunlich einheitlich, auch wenn sie selten explizit genannt werden, weil sie als bekannt vorausgesetzt werden.

Schriftart und Zeilenabstand

Eine gut lesbare Serifenschrift, Times New Roman oder vergleichbar, 12 Punkt, anderthalb- bis zweizeiliger Abstand. Keine Designschrift, kein Fliesstext in Blocksatz mit Silbentrennung, das erschwert das schnelle Querlesen, das ein Lektor tatsächlich macht.

Seitenränder und Kopfzeile

Grosszügige Ränder, mindestens 2,5 Zentimeter, damit Platz für handschriftliche Anmerkungen bleibt. Name und Titel des Manuskripts in der Kopf- oder Fusszeile jeder Seite, für den Fall, dass Seiten getrennt werden.

Dateiformat

Word-Dokument, nicht PDF, ausser explizit anders verlangt. Viele Lektorate und Agenturen kommentieren direkt im Dokument, das funktioniert in einem bearbeitbaren Format zuverlässiger als in einem starren PDF.

Dateiname

Nachname, Titel, Dokumenttyp, zum Beispiel „Mueller_Nachtfrost_Expose.docx", nicht „Expose_final_V3_NEU.docx". Der Dateiname ist das Erste, was ein Lektor sieht, noch vor dem Öffnen. Ein unauffälliger, klar benannter Dateiname kostet nichts und vermeidet einen kleinen, aber vermeidbaren Grund zur Irritation, bevor der eigentliche Inhalt überhaupt gelesen wurde.

Häufige Fragen zum Exposé schreiben

Muss ich im Exposé wirklich das Ende verraten?

Ja. Das ist der am häufigsten missverstandene Punkt, siehe Fehler 1 oben. Ein Exposé ist kein Werbetext, der Spannung aufbauen soll, sondern ein Arbeitsdokument, das einem Profi zeigt, ob die Geschichte in sich funktioniert. Das geht nicht ohne das Ende.

Was, wenn ich noch keine Veröffentlichungen vorweisen kann?

Das ist normal und kein Ablehnungsgrund für sich. Konzentrier dich in der Vita auf relevanten beruflichen Hintergrund, Recherche-Expertise zum Thema des Buchs, oder abgeschlossene Schreibausbildungen. Ein fehlender Publikationshintergrund wird durch ein starkes Exposé und eine starke Leseprobe ausgeglichen, nicht durch eine erfundene Vita.

Kann ich dasselbe Exposé an mehrere Verlage gleichzeitig schicken?

Grundsätzlich ja, das ist bei unverlangten Einsendungen üblich, sofern die Verlagsrichtlinien nichts anderes verlangen. Gib das im Anschreiben transparent an, wenn danach gefragt wird. Was du anpassen solltest, sind Vergleichstitel und der Verweis auf das Programm, die sollten zum jeweiligen Haus passen, nicht das ganze Exposé neu schreiben.

Wie oft sollte ich das Exposé überarbeiten, bevor ich es abschicke?

Mehrmals, und nicht nur allein. Ein Exposé, das du selbst geschrieben hast, liest sich für dich logischer, als es für einen Aussenstehenden ist, weil du die Geschichte bereits im Kopf hast. Lass mindestens eine Person, die das Manuskript nicht kennt, nur das Exposé lesen und dir erzählen, was sie verstanden hat. Wenn das nicht der Kern deiner Geschichte ist, ist das Exposé noch nicht fertig.

Sollte das Exposé vor oder nach dem fertigen Manuskript geschrieben werden?

In der Regel danach, oder zumindest nach einem vollständigen ersten Entwurf. Ein Exposé für eine Geschichte zu schreiben, die noch nicht zu Ende gedacht ist, führt fast immer zu einem Exposé, das im dritten Akt vage wird, genau an der Stelle, die ein Lektor am genauesten liest.

Nach dem Absenden: Wartezeit und Absagen richtig einordnen

Die Antwortzeiten unterscheiden sich stark zwischen Verlagen und Agenturen, von wenigen Wochen bis zu mehreren Monaten, und viele Häuser antworten bei Ablehnung gar nicht, sondern nur bei Interesse. Das steht in der Regel in den Einreichungsrichtlinien, dort findet sich auch, ob und wann eine Nachfrage erwünscht ist. Vor Ablauf der genannten Frist nachzufragen wirkt eher ungeduldig als engagiert.

Eine Absage, wenn sie kommt, ist selten ein Urteil über die Qualität des Manuskripts insgesamt. Häufiger bedeutet sie: das Programm ist gerade voll, das Genre passt nicht in den aktuellen Schwerpunkt, oder ein sehr ähnliches Buch ist bereits in Arbeit. Eine Standardabsage ohne individuelle Begründung ist die Regel, keine Ausnahme, bei der Menge an Einsendungen ist eine persönliche Rückmeldung zu jedem einzelnen Manuskript für die meisten Häuser nicht leistbar.

Was sich lohnt: ein einfaches Protokoll, welche Adresse wann welche Fassung des Exposés erhalten hat, und ob eine individuelle Rückmeldung kam. Enthält eine Absage konkrete inhaltliche Hinweise, etwa zur Zielgruppe oder zur Länge, ist das selten, und es lohnt sich, diese Hinweise ernst zu nehmen, bevor die nächste Einreichung rausgeht, nicht nur bei diesem einen Haus, sondern grundsätzlich am Exposé oder am Manuskript zu arbeiten.

Mehrere Absagen in Folge, auch fünf oder zehn, sind normal und kein verlässliches Signal, das Projekt aufzugeben. Ein Exposé, das bei zehn Adressen ohne jede Reaktion bleibt, ist dagegen ein Hinweis, das Exposé selbst noch einmal grundlegend zu überarbeiten, idealerweise mit einer aussenstehenden Person, die die Geschichte noch nicht kennt, siehe die Frage oben. Eine Liste zu führen ist auch deshalb sinnvoll, weil sich Programme und Ansprechpersonen ändern, eine Adresse, die vor einem Jahr passend war, kann inzwischen ein anderes Programm verfolgen, und eine veraltete Recherche ist derselbe Fehler wie eine Einreichung ohne jede Recherche.

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Ein gutes Exposé zu schreiben ist eine eigene Kompetenz, separat vom Roman-Schreiben selbst. Viele exzellente Autoren haben schlechte Exposés. Und manchmal öffnet ein überzeugendes Exposé Türen für Romane, die noch nicht fertig sind.

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