Autoren-Glossar

20 Fachbegriffe, die jeder Romanautor kennen sollte

Heldenreise

Das von Joseph Campbell beschriebene Erzählmuster, bei dem ein Held die vertraute Welt verlässt, Prüfungen besteht und verändert zurückkehrt. Grundlage unzähliger Romane, Filme und Mythen, von der Odyssee bis Harry Potter.

Spannungsbogen

Der dramaturgische Verlauf einer Geschichte von der Exposition über steigende Handlung, Höhepunkt und fallende Handlung bis zur Auflösung. Ein gut konstruierter Spannungsbogen hält Leser bei der Stange.

Plottwist

Eine unerwartete Wendung in der Handlung, die das bisherige Verständnis der Geschichte auf den Kopf stellt. Effektive Plottwists sind im Nachhinein logisch, aber im Moment überraschend.

Show, don't tell

Das Prinzip, Emotionen und Eigenschaften durch Handlungen, Dialoge und sensorische Details zu zeigen statt sie direkt zu benennen. Statt «Er war wütend» besser: «Seine Knöchel wurden weiss, als er die Lehne umklammerte.»

Worldbuilding

Der Prozess, eine fiktive Welt mit eigener Geografie, Geschichte, Kultur, Magie oder Technologie zu erschaffen. Besonders wichtig in Fantasy, Science-Fiction und historischen Romanen.

Charakterbogen

Die innere Entwicklung einer Figur im Verlauf der Geschichte. Vom unsicheren Anfänger zum selbstbewussten Helden, vom Zyniker zum Gläubigen, der Charakterbogen macht Figuren lebendig und dreidimensional.

Erzählperspektive (POV)

Die Perspektive, aus der eine Geschichte erzählt wird: Ich-Erzähler, personaler Erzähler (dritte Person), auktorialer Erzähler oder, seltener, die zweite Person. Die Wahl beeinflusst Nähe, Spannung und Informationsfluss.

Foreshadowing

Das Setzen subtiler Hinweise auf zukünftige Ereignisse in der Handlung. Meisterhaftes Foreshadowing ist beim ersten Lesen kaum merklich, beim zweiten Lesen jedoch unübersehbar.

Pacing

Das Erzähltempo einer Geschichte, der Wechsel zwischen schnellen Actionszenen und ruhigen, reflektiven Momenten. Gutes Pacing verhindert, dass Leser sich langweilen oder überfordert fühlen.

Drei-Akt-Struktur

Das klassische Erzählmodell mit Aufstellung (Akt 1), Konfrontation (Akt 2) und Auflösung (Akt 3). Die meisten erfolgreichen Romane und Filme folgen dieser Grundstruktur, bewusst oder unbewusst.

Antagonist

Die Gegenkraft zum Protagonisten. Nicht zwingend ein Bösewicht, ein Antagonist kann eine Person, eine Gesellschaft, die Natur oder ein innerer Konflikt sein. Je stärker der Antagonist, desto stärker die Geschichte.

Roter Faden

Das zentrale Thema oder die Haupthandlung, die sich durch die gesamte Geschichte zieht und alle Elemente zusammenhält. Ohne roten Faden wirkt eine Geschichte episodisch und zusammenhangslos.

Exposition

Die Einführung von Hintergrundinformationen, die der Leser braucht, um die Geschichte zu verstehen: Setting, Charaktere, Ausgangssituation. Die Kunst liegt darin, Exposition unauffällig in die Handlung einzuweben.

Unreliable Narrator

Ein Erzähler, dessen Darstellung der Ereignisse verzerrt, unvollständig oder bewusst irreführend ist. Ein mächtiges Werkzeug für Spannung und Plottwists, der Leser muss selbst entscheiden, was wahr ist.

MacGuffin

Ein Objekt oder Ziel, das die Handlung antreibt, dessen tatsächliche Natur aber nebensächlich ist. Der Koffer in «Pulp Fiction», der Ring in «Herr der Ringe», was zählt, ist die Jagd danach.

Cliffhanger

Ein offenes, spannungsgeladenes Ende eines Kapitels oder einer Episode, das den Leser zwingt, weiterzulesen. Benannt nach dem Bild eines Helden, der buchstäblich an einer Klippe hängt.

Subplot

Eine sekundäre Handlungslinie, die den Hauptplot ergänzt, bereichert oder kontrastiert. Gute Subplots spiegeln das zentrale Thema wider und geben Nebenfiguren Tiefe.

Figurenkonstellation

Das Beziehungsgeflecht zwischen allen Figuren einer Geschichte. Wer steht im Konflikt, wer verbündet sich? Eine durchdachte Figurenkonstellation erzeugt natürliche Spannung und emotionale Komplexität.

Überarbeitung (Revision)

Der Prozess, einen Erstentwurf zu verbessern: Struktur straffen, Dialoge schärfen, Redundanzen streichen, Inkonsistenzen korrigieren. Professionelle Autoren überarbeiten ihr Manuskript typischerweise drei bis fünf Mal.

Manuskript-Formatierung

Die standardisierte Aufbereitung eines Manuskripts für Verlage oder Selfpublishing: Normseite (30 Zeilen à 60 Zeichen), Schriftart, Seitenränder, Kapiteltrennung. Korrekte Formatierung signalisiert Professionalität.

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